Makrozytäre hyperchrome Anämie: Ursachen, Symptome, Behandlung (2024)

Eine makrozytäre hyperchrome Anämie ist ein bestimmter Typ von Blutarmut (Anämie), bei dem die roten Blutkörperchen größer (makrozytär) als normal und hellrot-leuchtend (hyperchrom) sind (auch alsmegaloblastäre Anämiebezeichnet). Diese Veränderungen werden bei einer Blutuntersuchung festgestellt und können auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hindeuten.

Ein wichtiger Hinweis auf eine makrozytäre Anämie ist ein erhöhter MCV-Wert im kleinen Blutbild. MCV steht für "mittleres Erythrozytenvolumen". Ein erhöhter Wert zeigt an, dass die Erythrozyten zu groß sind (makrozytär).

Da zwar weniger Erythrozyten gebildet werden, aber gleichtzeitig die Hämoglobin-Produktion funktioniert, versucht der Körper, die wenigen Zellen mit Hämoglobin (roter Blutfarbstoff, der Sauerstoff binden kann) voll zu packen. Die Erythrozyten sind also teilweise erheblich größer als normalerweise.

Bei der makrozytären hyperchromen Anämie wirkt das Blut aufgrund des hohen Eisenanteils in den Erys kräftiger bzw. leuchtender rot als gewöhnlich (hyperchrom; hyper=vermehrt). Der Hämoglobin-Anteil pro Erythrozyt lässt sich an der Menge von Hämoglobin pro Zelle ablesen (Blutwert "MCH":Mittleres Korpuskuläres Hämoglobin). Daher diese Anämie als „makrozytäre, hyperchrome Anämie“ beschrieben. In der Grafik "Erythrozytenindizes" (oben) werden die Unterschiede zwischen MCH, MCV und MCHC deutlich.

Ursachen einer makrozytären hyperchromen Anämie

Die makrozytäre hyperchrome Anämie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  1. Vitamin-B12-Mangelanämie: Ein Mangel an Vitamin B12 kann dazu führen, dass sich die roten Blutkörperchen nicht richtig teilen und ihre Größe und Form verändern, was zu einer makrozytären Anämie führt.
  2. Folsäuremangelanämie: Ein Mangel an Folsäure, einem B-Vitamin, das für die Zellteilung und die Synthese von DNA notwendig ist, kann ebenfalls zu einer makrozytären Anämie führen.
  3. Alkoholismus: Chronischer Alkoholkonsum kann die Absorption von Vitamin B12 und Folsäure beeinträchtigen und somit zu einer Anämie beitragen.
  4. Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere bestimmte Krebsmedikamente oder Antiepileptika, können eine makrozytäre Anämie verursachen.
  5. Knochenmarkserkrankungen: Bestimmte Knochenmarkserkrankungen, wie myelodysplastische Syndrome, können die Bildung von unreifen roten Blutkörperchen verursachen, die größer als normal sind (siehe dazu: Knochenmark)
  6. Lebererkrankungen: Bestimmte Lebererkrankungen können dazu führen, dass die Leber nicht ausreichend Folsäure und Vitamin B12 speichert und metabolisiert.

Ein Folsäure-Mangel kann verschiedene Ursachen haben:

  • Unzureichende Folsäure-Zufuhr durch die Nahrung
  • Verminderte Aufnahme von Folsäure, u.a. aufgrund von Medikamenten oder Alkohol
  • Bösartige Tumore

Mögliche Ursachen für Vitamin-B12-Mangel

Der Vitamin-B12-Mangel kann vielfältige Ursachen haben:

  • Unzureichende Vitamin-B12-Zufuhr durch die Nahrung (siehe unten)
  • Verminderte Aufnahme von Vitamin B12 (sog. Malabsorption) durch Magen- oder Darmerkrankungen, meist aufgrund von Autoimmunkrankheiten
  • Bandwurmbefall(da diesegrößere Mengen Vitamin B12 verbrauchen)
  • Mangel vonTranscobalaminII, dem Transportprotein für Vitamin B12 im Blut
  • Cadmiumvergiftung

Bestimmte Menschen haben ein erhöhtes Risiko, von einem Mangel an Vitamin B12 betroffen zu sein. Dazu gehören:

  1. Vegetarier und Veganer: Vitamin B12 kommt hauptsächlich in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern vor. Menschen, die eine rein pflanzliche Ernährung ohne diese Lebensmittelgruppen haben, sind einem erhöhten Risiko für einen Vitamin B12-Mangel ausgesetzt. Pflanzliche Lebensmittel enthalten in der Regel nur geringe Mengen an Vitamin B12, die für den täglichen Bedarf nicht ausreichen.
  2. Ältere Menschen: Mit dem Alter kann die Fähigkeit des Körpers, Vitamin B12 aus der Nahrung zu absorbieren, abnehmen. Ältere Menschen haben daher ein höheres Risiko für einen Vitamin B12-Mangel.
  3. Magen-Darm-Erkrankungen: Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, wie z. B. Zöliakie, Morbus Crohn oder Zöliakie, können die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung beeinträchtigen. Auch Menschen, die eine Magen-Darm-Chirurgie hatten, können ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin B12-Mangel haben.
  4. Perniziöse Anämie: Perniziöse Anämie ist eine autoimmune Erkrankung, bei der der Körper nicht genügend Intrinsic Factor produziert, ein Protein, das für die Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Darm in den Blutkreislauf erforderlich ist. Menschen mit perniziöser Anämie haben daher ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin B12-Mangel.
  5. Bestimmte Medikamente, wie z. B. Protonenpumpenhemmer, die zur Behandlung von Sodbrennen und Magengeschwüren verwendet werden, können die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen.

Symptome einer Anämie

Die typischen Symptome einer makrozytären hyperchromen Anämie ähneln denen anderer Anämie-Formen. Die mangelnde "Energieversorgung" der Zellen durch die verminderte Sauerstoff-Versorgung, führen meist zu folgenden Anzeichen:

  • leichte Ermüdbarkeit
  • Luftknappheit (besonders bei körperlicher Belastung)
  • Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Kältegefühl
  • Schwindelanfälle
  • blasse Haut

Da der Bausteine-Mangel meist alle Blutzellen betrifft, sind nicht nur die Erythrozyten betroffen. Auch Leukozyten können nicht mehr in ausreichender Menge nachgebildet werden. Das zeigt sich in einer sog. Rechtsverschiebung im Differentialblutbild.

Die Diagnose und Behandlung der makrozytären hyperchromen Anämie erfordert eine umfassende ärztliche Untersuchung, um die zugrunde liegende Ursache zu ermitteln.

Was tun bei einer makrozytären Anämie?

Die Behandlung einer makrozytären Anämie hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Da sie durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann (siehe oben), ist es wichtig, zuerst die genaue Ursache zu ermitteln, bevor eine angemessene Behandlung eingeleitet wird. Hier sind einige mögliche Schritte und Behandlungsoptionen:

  1. Diagnose und Ursachenfindung: Ein Arzt wird eine umfassende Anamnese durchführen, einschließlich körperlicher Untersuchungen und Blutuntersuchungen. Diese Tests helfen dabei, den Hämoglobin- und MCV-Wert (mittleres korpuskuläres Volumen) zu bestimmen, um die Art der Anämie zu identifizieren. Weitere spezifische Tests wie eine Blutausstrichuntersuchung, ein Vitamin-B12-Test, ein Folsäuretest oder eine Knochenmarkbiopsie können erforderlich sein, um die zugrunde liegende Ursache zu ermitteln.
  2. Behandlung von Nährstoffmangelanämien: Wenn die makrozytäre Anämie durch einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure verursacht wird, kann die Behandlung die Verabreichung von Vitaminpräparaten oder eine Anpassung der Ernährung umfassen. In schweren Fällen kann eine intravenöse Verabreichung von Vitaminen erforderlich sein.
  3. Behandlung von Grunderkrankungen: Wenn die Anämie auf eine zugrunde liegende Erkrankung, wie alkoholbedingte Lebererkrankungen, Knochenmarkserkrankungen oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), zurückzuführen ist, ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln, um die Anämie zu verbessern.
  4. Änderung der Medikamente: Wenn bestimmte Medikamente die Ursache für die Anämie sind, kann ein Arzt eine Anpassung der Medikation oder den Wechsel zu alternativen Medikamenten vorschlagen.
  5. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Eine makrozytäre Anämie erfordert in der Regel eine regelmäßige Überwachung und Kontrolluntersuchungen, um die Wirksamkeit der Behandlung zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Behandlung der makrozytären Anämie individuell an die Ursache und den Gesundheitszustand des Patienten angepasst werden muss. Daher ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die richtige Diagnose zu erhalten und eine angemessene Behandlung zu erhalten. Selbstmedikation oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ohne ärztliche Beratung sollte vermieden werden, da dies die Diagnose und Behandlung erschweren kann.

Siehe auch

  • Normozytäre Anämie: rote Blutzelle korrekt gebildet, aber insgesamt zu wenige
  • Mikrozytäre Anämie: zu kleine Erythrozyten, meist aufgrund von Eisenmangel

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